Alte Fenster & Rollladenkästen sanieren: Weniger Energieverluste durch moderne Materialien

14. August 2026

Der Gebäudebereich verursacht rund 40 % der CO²-Emissionen in Deutschland, die wichtigste Maßnahme für die Umwelt ist deshalb die energetische Verbesserung bestehender Gebäude. Das hilft auch dem Hauseigentümer: Untersuchungen ergaben, dass sich der Energieverbrauch von Bestandsobjekten um bis zu 85 % reduzieren lässt. In besonderem Maß gilt das für die Sanierung energetisch veralteter Fenster und Verglasungen. Genau damit wollen wir uns hier beschäftigen.

Beispiel historische Kastenfenster

Historische Holzkastenfenster aus der Gründerzeit sind in vielen alten Häusern zu finden. Sie begeistern mit wunderschönen Formen, und auch die Qualität der Ausführung zeugt vom hohen Anspruch und der ausgeprägten Handwerkskunst der vorigen Generationen.

Häufig werden heute die alten Holzkastenfenster einfach gegen neue, isolierverglaste Fenster ausgetauscht. Im besten Fall werden dabei neue Holzfenster oder Kunststofffenster eingebaut, die zumindest äußerlich das historische Erscheinungsbild imitieren. Auch das schmerzt Ästhetiker, lässt jedoch die Vergangenheit zumindest noch erahnen. Oft wird jedoch völlig ohne Stil und Überlegung ausgewechselt und so das gesamte Fassadenbild zerstört.

Dabei gilt es zu beachten: Fensterhersteller und viele Handwerker werben auch mit Blick auf die eigenen Verdienstmöglichkeiten mit den Vorteilen moderner Materialien und Technologien wie Kunststoffrahmen und Isolierverglasung. Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist mehr Bank als Denkmalschutzbehörde und fördert nur den kommerzträchtigen Einbau neu gekaufter Fenster. Von Seiten der „Erhaltungsbefürworter“ bekommen die Besitzer alter Kastenfenster also wenig Unterstützung. Stattdessen verdienen an den Erhaltungsarbeiten häufig kleine Handwerksbetriebe.

Warum es sich lohnt, die alte Substanz zu erhalten

Alte Kastenfenster sind nicht nur aus ästhetischen Gründen erhaltenswert: Es gibt auch technische Argumente, die für diesen Bautyp sprechen. Runderneuerte Kastenfenster stellen industriell angefertigte Kunststofffenster mit Isolierglasscheiben häufig in den Schatten, was die Isolierfähigkeit und die Gefahr des Befalls mit Schimmelpilzen angeht. Nicht umsonst gibt es eine DIN-Norm, die am Fensterstock eine Oberflächentemperatur von rund 13 Grad vorschreibt. Wird die Wand kälter, schlägt sich an dieser Stelle Tau nieder. Die Mauern rund um Kastenfenster liegen häufig sogar bis zu zwei Grad über diesem Wert, Schimmelpilz bildet sich unter diesen Bedingungen nicht.

siehe auch hier:   Wie die richtige Dämmung beim Energiesparen hilft

Dieser kommt jedoch schnell, wenn die Kastenfenster durch moderne, besonders dichte Isolierglas-Fenster ersetzt werden, welche die kälteste Stelle an den Fensterstock verlagern. Eine falsche Lüftung, die vom Kastenfenster „verziehen“ wurde, führt bei einem Isolierglasfenster schnell zu Tauwasserniederschlag an der Wand und als Folge zu Schimmelbefall.

Trotzdem müssen die energetisch ungünstigen, historischen Fenster saniert werden, denn sie gehören zu den größten Energieverschwendern in Deutschland. In Zahlen heißt das: Das traditionelle Kastenfenster hat einen U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient), der mit 2,8 bis 3,3 etwa doppelt so hoch liegt wie der Wert, den das Gebäudeenergiegesetz vorschreibt. Das muss nicht so bleiben. Wenn ein altes Kastenfenster neue Gläser, Dichtungen und eine hochwertige Lackierung erhält, kann es den aktuellen Standard problemlos erreichen.

Eine Runderneuerung kann etwa folgende Schritte enthalten: Der alte Lack wird komplett entfernt – das ist oft erforderlich, weil zwischenzeitlich Kunstharzlacke aufgebracht wurden, die im Gegensatz zu den früher eingesetzten Ölfarben spröde werden und so auf Dauer die Bausubstanz schädigen. Anschließend wird das Glas entfernt, dann werden alle Rahmen und Beschläge vom Tischler überarbeitet, die Holzteile instandgesetzt, die Beschläge gangbar gemacht. Eine elastische Dichtung wird eingearbeitet, neues Glas wird eingebracht, dann wird neu lackiert. Dadurch entsteht eine Fensterkonstruktion mit verbesserten Wärmedämmwerten, Schallschutz- und Wetterschutzwerten, deren hoher ästhetischer Wert trotzdem erhalten bleibt.

Wichtig zu wissen: In seltenen Fällen ist eine Runderneuerung nicht möglich. Dann können moderne Wärmedämmfenster angefertigt werden, die dem Original sehr ähnlich sehen.

Ergänzende Maßnahme: Rollladenkasten öffnen, dämmen und isolieren

Ebenso wie bei den Fenstern entstehen bei einer unzureichenden Dämmung des Rollladenkastens hohe Wärmeverluste, die unnötig viel Geld kosten. Mit wenigen Handgriffen können diese Kosten gesenkt und Energie gespart werden. Das Dämmen und Isolieren des Kastens kann selbst von weniger versierten Handwerkern vorgenommen werden. Und wer schon dabei ist, kann in diesem Zuge beispielsweise auch noch einen Rolladenmotor nachrüsten.

siehe auch hier:   Smarte Heizung – ja oder nein?

Bevor man den Rollladenkasten öffnen, dämmen und isolieren kann, sollte zunächst das benötigte Werkzeug und Material bereitgelegt werden. Zum Öffnen des Kastens wird ein Schraubendreher benötigt. Als Dämmmaterial eignen sich dünne Dämmplatten, die eine Stärke von 10 – 25 Millimeter aufweisen (etwa Styropor). Für das Schneiden der Platten sollte ein scharfes Teppichmesser zum Einsatz kommen, zum Fixieren der Dämmplatten wird Silikon oder Bauschaum verwendet.

Nach dem Öffnen kann es an die Dämmung gehen. Als erstes werden die Rollos so weit wie möglich hochgezogen, damit der Kasten richtig gedämmt werden kann. Anschließend werden die Dämmplatten in passgenaue Streifen zugeschnitten und diese auf den Boden des Rollladenkastens platziert. Sobald die Fixierung gut durchgetrocknet ist, kann die Abdeckung wieder angeschraubt werden.

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