Weshalb Warnungen vor alten Elektrozusatzheizungen wie Ölradiatoren übertrieben sind

7. Dezember 2022

Die Energiekrise zwingt die Menschen dazu, sich über alternative Heizmethoden zu den fest installierten Heizungen im Haus Gedanken zu machen. Oft werden alte Elektroheizungen aus dem Keller geholt, und man fragt sich, ob diese nicht nur Energiefresser, sondern auch durch Alterung gefährlich sind.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Wirkungsweise von Elektroheizungen ist fast immer die kontrollierte Überhitzung eines Widerstandsdrahtes. Problematisch wird, wenn diese planmäßige Funktion außer Kontrolle gerät.
  • Viele Unfälle sind weniger auf technische Defekte, als auf unsachgemäße Behandlung zurückzuführen
  • Technik altert, auch in Schaltkreisen, falls bei sehr alten Geräten überhaupt Überlastschutz verbaut wurde

Welche Arten von Elektroheizungen gibt es?

Zu den Elektroheizungen, die ortsunabhängig und mobil eingesetzt werden können, gehören Heizgebläse, Ölradiatoren, Konvektoren, Heizstrahler und Infrarotheizgeräte. Nun könnte man auch Nachtspeicherheizungen dazuzählen, doch sind sie weniger für den mobilen Einsatz gedacht. Sie brauchen zwar ebenfalls nur eine Steckdose für den Betrieb, sind aber schwer und verbleiben am Ort, wo man sie einmal vorgesehen hat. Ihren großen Vorteil haben E-Heizgeräte darin, dass sie keinerlei Brennstoffe verbrauchen, außer Strom zu konsumieren, weshalb die Bevorratung von Öl, Holz, Kohle, oder die Zuführung von Gas völlig wegfallen. Keine Installation von Rohrmaterial ist dazu notwendig, außer einer nahen Steckdose, da E-Heizgeräte in der Regel über normalen Schuko-Stecker betrieben werden. Das bedeutet, dass auch die Gefahren wegfallen, die durch Explosion oder Brand von genannten Energieträgern möglich sind. Vor allem Gasleitungen oder defekte Regler sind kritische Gefahrenpunkte, die Laien nicht handhaben können. Holz und Kohle sind unter diesen Brennstoffen noch die ungefährlichsten.

Kaum noch zu finden: alte elektrische Nachtspeicherheizungen

Als eine Heizungsart, die in der Wirtschaftswunderzeit aufgekommen ist, sind Nachtspeicherheizungen nicht zuletzt wegen des früher darin verbauten Asbests (gesundheitsschädliche, krebserzeugende Fasern, wenn in die Luft abgegeben und eingeatmet) und kaum noch in Deutschland erhältlichen Nachttarifstromes ein aussterbendes Heizungskonzept (in Österreich sieht das noch anders aus). Tatsächlich waren sie zeitweise in Deutschland sogar schon verboten (§10a EnEV, 2009 – 2019). Strom ist seit 2007 durch Wegfall des Stromsteuersatzes für Niedertarif zu allen Tages- und Nachtzeiten gleich teuer, weshalb die Heizmethode der Speicherheizung, nachts bei günstigerem Tarif zu arbeiten und tagsüber auszustrahlen, obsolet geworden ist. Eine aussterbende Art: Neue Nachtspeicherheizungen werden gar nicht mehr gebaut und installiert. Gefährlich waren sie jedoch nur im Fall, dass sie noch Asbest enthielten und dieser irgendwie freigesetzt wurde, was bei Normalbetrieb auch nicht der Fall war.

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Woher rührt nun die Gefahr bei Elektroheizungen, wenn überhaupt?

Es kursieren einige wenige Geschichten im Internet von ‚explodierenden Ölradiatoren‘, was bei genauerem Hinsehen Unsinn ist. Öl an sich ist kein Sprengstoff und explodiert nicht, dazu zirkuliert er in einem geschlossenen System, gewöhnlich einem Rippenheizkörper, der erst einmal aufgebrochen werden müsste, um das Öl austreten zu lassen. Solange es im Innern bleibt, ist dieses Öl absolut ungefährlich. Es hält sogar mehr Hitze aus (weshalb die Wahl auch auf es gefallen ist) als etwa Wasser, das ebenfalls bei Überdruck ‚explodieren‘ würde, wenn man es über den Siedepunkt erhitzt und dem Dampf keine Entweichungsmöglichkeit (über ein Ventil) böte. In der Summe liegt der Gefahrenherd bei der elektrischen Komponente. Elektrische Heizgeräte (bis auf die Infrarotgeräte) arbeiten mit Widerstandsdrähten, die erhitzt werden und diese Erhitzung an die Umgebung abzugeben haben (eben Öl im Radiator oder Luft in einem Konvektor oder Heizlüfter). Die Frage ist nun, wie sicher diese Drähte gesteuert werden. Diese Schaltkreise enthalten Vorrichtungen, die bei Defekt den Stromzufluss unterbrechen sollen, noch bevor die Heizdrähte derart überhitzen können, dass sie durchbrennen und irgendetwas in Brand setzen. Auch dann etwa, wenn beim Heizlüfter der Ventilator ausfällt und die Hitze sich aufstaut, statt in den Raum geblasen zu werden.

Wenn der Nutzer das Gerät falsch behandelt

Thermostate und Zeitschaltuhren, wenn sie wie vorgesehen arbeiten, bewirken ebenfalls eine Dosierung der Heizleistung und verhindern so ein Durchbrennen von Heizdrähten infolge Überlast. Natürlich können auch sie defekt werden und dann Folgeschäden auslösen. Aber der menschliche Faktor spielt ebenfalls eine große Rolle bei der Beurteilung von Gefahren alter Elektroheizgeräte. Obwohl Aufkleber davor warnen, die Luftaustauschschlitze, worunter ein Umgebungstemperatursensor sitzen dürfte, abzudecken, könnten Anwender diese überdecken und so die Funktion des Thermostats unbewusst sabotieren. Etwa durch Drapieren von feuchter Kleidung über dem Heizkörper, um sie zu trocknen. Dazu sind Verlängerungskabel oder Steckdosenleisten im verwendeten Leitungsquerschnitt oft unterdimensioniert und den hohen Leistungen eines Heizgeräts (bis 2500 Watt) nicht gewachsen, vor allem auf Dauer. Die Folge sind Kabelbrände oder brüchige Isolationen der Adern, die dann zu Kurzschlüssen führen. Jedoch dürfte auch dann noch die heraus fliegende Sicherung am Schaltschrank das Schlimmste verhindern.

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Fazit

Die Beschwörung einer Gefahr durch E-Heizgeräte ist als übertrieben einzuschätzen, wenn diese nur Sicherheitsabschaltungen besitzen und Fehler des Nutzers durch Beachten der Bedienungsanleitung und Vermeiden von ungeeigneten Stromleitungen (oder veralteter Hausinstallation) ausgeklammert werden können. Dass elektrische Heizer an sich einen hohen Stromverbrauch besitzen, ist der Preis für ihre schnelle Arbeitsweise und den mobilen Einsatz, gehört aber nicht zu den ‚Gefahren‘. Defekte an stationären Heizungsarten sind nicht minder gefährlich.

Claudia
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